#1 Das schiefste Haus von Zwettl
Shownotes
Wie bringt man alte Mauern, moderne Architektur und nachhaltige Ideen unter einen Hut und warum sind die Stadtlofts von Zwettl ein besonderer Ort zum Verweilen?
Christl Clear besucht die Sonnentor Stadtlofts, ein einzigartiges Projekt von Johannes Gutmann im Herzen von Niederösterreich. Sie spricht mit ihm über die liebevolle Restaurierung des historischen Gebäudes direkt an der alten Stadtmauer, die Umwandlung zu modernen Selected Stays und die Philosophie hinter nachhaltigem Reisen mit persönlicher Note.
In dieser Folge erfahrt ihr:
- Wie es vom jahrhundertealten Wohnhaus, das jahrzehntelang verschlossen war, zu fünf modernen Stadtlofts kam.
- Historische Einblicke von Bewohner:innen wie Margarete Resch-Schmatz und Anekdoten rund um die Stadtmauer von Zwettl.
- Wie Sonnentor Werte wie Naturverbundenheit, Fairness und Wiederverwendung in das Stadtloft-Projekt integriert hat.
Selected Secrets – Tipps aus der Region:
- Sonnentor Stadt-Lofts Stadt-Loft – SONNENTOR
- Stausee Ottenstein Stausee Ottenstein
- Lohnbachfälle bei Schönbach Lohnbachfall | Naturerlebnisse im Waldviertel
- Kraftarena Groß Gerungs Kraftarena Groß Gerungs | Naturerlebnisse im Waldviertel
Interviewpartner:innen:
Johannes Gutmann (Eigentümer / Unternehmer),
Margarete Resch-Schmatz (Zeitzeugin)
Credits
- Produktionsleitung: Jeanne Drach
- Konzeption: Jeanne Drach, Anna Muhr, Christiana Naue-Hess, Tina Scharka, Andrea Leppich
- Redaktion und Text: Anna Muhr, Christl Clear
- Gesprochen von: Christl Clear
- Signation / Musik: Marten Kaffke
- Postproduktion: Catharina Ballan, Anna Muhr
Dieser Podcast wurde produziert von OH WOW.
Transkript anzeigen
00:00:00: Das ist Kultur, das ist gewachsen, das ist einzigartig.
00:00:04: Die Geschichte der Menschen und auch der Region insgesamt, das ist etwas Unvergleichbares.
00:00:12: Der Überfall war letzten Sonntag.
00:00:14: Als Stadtwächter habe ich die Aufgabe
00:00:16: das Stadttor jeden Abend pünktlich zu schließen.
00:00:19: Das ist der wichtigste und der langfristigste Schatz in unserer Hand.
00:00:23: Und das Haus hier wegzureißen, das wäre eigentlich ein Verbrechen für mich.
00:00:27: Ich hoffe, dass die
00:00:28: Zwettler-Bürger
00:00:28: sich in Zukunft an die Sperrstunde halten.
00:00:29: Da drinnen war der Schlafzimmer.
00:00:31: Da sind wir zu viert im Bett gekommen.
00:00:34: Es ist mein Geburtshaus.
00:00:36: Ich bin da geboren und alle meine Geschwister auch.
00:00:43: Zwettl im Waldviertel.
00:00:44: Ich stehe hier vor einem kleinen gelben Haus und habe kurz das Gefühl, es kippt gleich um.
00:00:49: Nicht weil es zerfallen oder baufällig ist.
00:00:51: Im Gegenteil, die Fassade ist hübsch, die Farbe fast noch frisch gestrichen.
00:00:55: Aber dieser Dachgiebe ... Der hängt so schief, dass man echt glaubt, der kracht einem gleich und entgegen.
00:01:01: Vier Komma vier Grad geneigt.
00:01:03: Ja, das ist tatsächlich schiefer als der schiefe Turm von Pisa.
00:01:06: Herzlich willkommen in Niederösterreich.
00:01:13: Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:01:21: Ein Podcast von Niederösterreich Tourismus.
00:01:24: Ich bin Christl Clear.
00:01:26: Autorin, Podcasterin, Influencerin und geboren in Wien.
00:01:31: Normalerweise bin ich dem Großstadt, aber ich gebe es zu... Niederösterreich hat es mir irgendwie angetan.
00:01:38: Es holte mich immer raus aus meiner stressigen Bubble.
00:01:41: Mal war es ein Kurztrip in die Wachau, mit ein bisschen einem Marillen-Overdose, mal einen Abstecher ins Mostviertel.
00:01:48: und ja, ich habe auch schon mal im Waldviertel das ein oder andere Glas Wein zu viel genossen und die Großstadt hinter mir gelassen.
00:01:57: In diesem Podcast werde ich mir Niederösterreich nochmal ganz genauer anschauen.
00:02:02: Es gibt ja wirklich einiges zu entdecken.
00:02:04: Wunderschöne Natur, tolle Seen, viel Geschichte und spannende Menschen, die ihre Kultur vermitteln und weitergeben wollen.
00:02:12: In acht Folgen besuche ich Orte, die zu den handverlesenen Unterkünften Selected Stays in Niederösterreich gehören.
00:02:19: Es sind ganz besondere Häuser mit herzlichen Gastgeberinnen, wo man einfach gern bleibt.
00:02:25: Das ist Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:02:28: Schön, dass ihr dabei seid.
00:02:31: Das Haus war deswegen spannend, weil draußen, wenn man vorbeigeht, hängt die Giebelmauer schiefer wie der schiefe Turm von Pisa in die Landstraße hinein.
00:02:39: Deswegen bin ich aufmerksam worden.
00:02:40: Und ich habe mir gedacht, warum ist das so schief?
00:02:44: Und wenn ich vorbeigehe, mir fällt sicher ein Drum am Schädel.
00:02:47: Das hat nicht mehr so fit ausgeschaut.
00:02:50: Johannes Gutmann, den kennt ihr ja alle.
00:02:53: Falls nicht, ich gebe euch ein Bild.
00:02:55: Ein drahtiger Typ, wacher Blick, Lederhose mit Hosenträgern und immer, aber wirklich immer eine knallrote, runde Brille.
00:03:03: Ende der Achtziger hat im Waldviertel Sonnentor gegründet, den Biokräuter- und Gewürzhandel.
00:03:07: Das sind die mit den guten Tees.
00:03:10: Und das ist mittlerweile international auch bekannt.
00:03:12: Er war einer der ersten Unternehmer, der gesagt hat, nachhaltig, naturverbunden, fair, das ist kein Marketing, das ist unsere DNA.
00:03:20: Und ich habe mich eben nicht abschütteln lassen, wenn man denkt, irgendwas muss das Haus haben.
00:03:24: Gutmann ist so einer, der sich was in den Kopf setzt und es dann auch wirklich macht.
00:03:28: Und er wollte halt unbedingt hinter dieser schiefen Mauern schauen.
00:03:32: Problem?
00:03:33: Die beiden Damen, die hier lang gewohnt haben, hatten keine Lust auf neugierige Blicke.
00:03:37: Also blieb die Tür jahrzehntelang zu.
00:03:40: Bis zweitausendzwölf
00:03:41: Da war das Haus plötzlich am Markt.
00:03:43: Und Gutmann hat sofort zugeschlagen.
00:03:45: Und wie ich hier heireingegangen bin, das war ab dem Hof bis zur Stadtmauer, das war wie eine Insel.
00:03:51: Das war ruhig und da haben Birken drinnen gewohnt und Kirschenbäume und Erdbeeren sind gewachsen und Tomaten und alles Mögliche.
00:04:01: Und ja, man denkt, das ist ganz was Besonderes.
00:04:04: Und das war ruhig, obwohl vorne an der Landstrasse der Hauptverkehr vorbeigeht und hinten war Natur pur.
00:04:10: Das war wirklich eine Oase.
00:04:12: Und damit war dann eigentlich toll.
00:04:14: Für mich war das klar, das kaufe ich.
00:04:16: Es hat natürlich ausgeschaut.
00:04:18: Alles war niedergebrochen, alles war verwildert, alles war einfach verwachsen, alles war wild.
00:04:24: Turns out, das Haus hat eine sehr lange Geschichte, steht direkt an der alten Zwettler Stadtmauer.
00:04:30: Teile davon sind über siebenhundert Jahre alt und, ehrlich gesagt, man sieht es auch.
00:04:34: Also was macht man damit?
00:04:35: Der Stadtarchivar, der hier wirklich das Ganze archiviert, hat auch gesagt, das ist eine Perle.
00:04:42: Er hat mir den Schlüssel wieder in den Hand druckt und ich habe gesagt - weil das war der erste, den ich eingeladen habe nach dem Kauf - jetzt müssen wir mal anschauen.
00:04:49: Er hat mir das in die Hand gedrückt und hat gesagt, ich werde Dinge finden, da werde ich noch sehr, sehr freudig sein und sehr, sehr glücklich sein.
00:04:57: Ich habe nur ein altes Klumpert gesehen und jeder hat mich gefragt, wann reißt du die alte Hütten weg.
00:05:01: Das ist gar nicht unter Denkmalschutz, es war eigentlich komplett
00:05:06: Du kannst machen, was du willst, außer die Stadtmauer dahinter.
00:05:10: Die alte Stadtmauer, an die das Haus grenzt, ist auch der Grund, wieso Johannes Gutmann gleich mal mit dem Amt für Denkmalschutz zu tun hatte.
00:05:17: Oder besser gesagt, sich mit ihnen zusammengerauft hat.
00:05:20: Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz war am Anfang nicht einfach, da gab es immer ein ordentliches Streitgespräch, aber es wäre ein Donnerwetter.
00:05:26: Es ist was Reinigendes und daraus entsteht aus diesem Wasser.
00:05:30: Das muss man gießen, entsteht dann was Neues und muss wirklich sagen, das hat dann auch mit der Architektur und mit dem Denkmalamt und mit uns als Bauherren und Baufamilie sehr gut geklappt.
00:05:41: Die Familie Gutmann entrümpelt also die alten Räume, befreit sie von Schutt und findet eine Menge Geschichten und viel Geschichte.
00:05:47: Es ist Stück für Stück gewachsen.
00:05:49: Und durch dieses Wachsen ist die Idee gekommen, durch diese Idee, was wir alles gefunden haben, der Geschichten.
00:05:57: Und dann auch eben das Story-Hotel, The Project yourself.
00:06:00: Und damit passt es zu Sonnentor super dazu.
00:06:03: Man denkt, wow, Reuse, also das Wiederverwenden, das nicht wegschmeißen, dieses Recycle und diese ganzen Gedanken, die wir eigentlich pflegen, die Nachhaltigkeit, das passt ja wie ein Faust aufs Auge zu uns.
00:06:16: Heute sind aus dem Haupthaus und den Nebengebäuden fünf Stadtlofts geworden.
00:06:20: Und seit März zweitausendvierundzwanzig kann man hier übernachten.
00:06:23: Selbstversorgerinnen-Style.
00:06:25: eigene Küche, eigenes Bad, eine große Gemeinschaftsküche plus einen Raum zum Kennenlernen und Austauschen mit anderen Gästen, wenn man das möchte.
00:06:33: Auch der Austausch mit der Bevölkerung war bei dem Projekt für Johannes Gutmann wichtig.
00:06:37: Und auch irgendwie überraschend.
00:06:39: Also die Bevölkerung war, und da war ich komplett überrascht, sehr positiv eingestellt.
00:06:44: Die Bevölkerung wollte natürlich auch immer rein, weil die durften auch nicht rein.
00:06:50: Also ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute herinnen waren während der Bautätigkeit, wo ich nicht da war, wo das Tor noch nicht verschlossen war, wo einfach Bautätigkeit heißt.
00:07:03: Das heißt, die Leute waren interessiert und ich habe sie auch immer gemerkt an den Rückmeldungen.
00:07:08: Aber da war nie etwas Negatives dabei.
00:07:10: Das war immer sehr positiv.
00:07:12: Und wir haben auch, bevor wir zu renovieren begonnen haben, drei Führungen für die Stadt angeboten.
00:07:18: Die waren mehr als ausgebucht.
00:07:20: Das heißt, die Leute, die hier Interesse haben, die kommen rein.
00:07:40: Den Ursprünglich waren das zwei Häuser, die sind zusammengebaut worden im achtzehnten Jahrhundert, weil da gab es einen großen Stadtbrand, das ist eine komplette Stadt, abgebrannt.
00:07:49: Und diese zwei Häuser, das war immer für einen Schmied: in der Esse Arbeit auf die Straße verkauft.
00:07:56: Und da haben eigentlich immer die Bauern gewohnt oder auch andere Gewerke.
00:07:59: Da war auch sogar in meiner Brauerei alle Hausbesitzer seit fünfzehnhundertvierundfünfzig aufgezeichnet und damit ist es eigentlich nachvollziehbar.
00:08:07: Und wir haben auch Stimmen von unseren Mitarbeitern genommen, die haben Geschichten vorgelesen und die kann man dort dann hören.
00:08:13: Da gibt es eine kleine Hörstation, wo die Leute dann auch mithören können.
00:08:17: Zwettl, ein besonderer Name für eine Stadt.
00:08:20: Mein Name ist Elisabeth Moll und als Stadtarchivarin erzähle ich dir gerne, wie es zu diesem Namen gekommen ist und wie aus der Siedlung eine Stadt
00:08:28: wurde.
00:08:32: Drinnen führt Johannes Gutmann durch die Räume.
00:08:34: Sie sind modern, stylisch.
00:08:36: Das haben wir Frau Gutmann zu verdanken.
00:08:38: Aber überall blitzt die Vergangenheit durch.
00:08:41: Küchenzeilen aus alten Werkbänken, vergilbte Bücher als Messerblock, alte Fenstergitte als Pflanzendeko.
00:08:47: Jede Ecke erzählt was.
00:08:49: Geschichten, Rätsel, Überbleibsel von früher.
00:08:52: Alles hat so einen spielerischen Touch für die Leute, die hierherkommen.
00:08:56: Es ist quasi reinkommen.
00:08:58: Da kann man das ganze Gepäck kurz reingeben.
00:09:01: Eine Art Lobby.
00:09:02: Und da gibt es eine Gemeinschaftsküche.
00:09:04: Es gibt auch ein Gemeinschaftstöpfchen.
00:09:06: Und das Wichtigste ist, es werden immer Geschichten erzählt.
00:09:10: Zum Beispiel hier, willkommen in der Kuenringerstadt.
00:09:12: Das ist eine uralte Tafel, die noch handgemalt wurde von dem Kusek.
00:09:17: Das war der Stadtmaler.
00:09:18: Und das waren die Willkommensschilder außerhalb der Stadt
00:09:21:
00:09:22: Um den Leuten, die hier reinfahren mit dem Pferdewagen oder auch mit dem Auto, einmal zu sagen, ihr seid jetzt in Zwettl.
00:09:28: Man sieht noch das alte Stadtlogo aus, aus den vierzehnhundertfünfziger Jahren.
00:09:32: Und das ist noch original heute, das Wappen der Stadt Zwettl.
00:09:37: Wenn diese Mauern sprechen könnten.
00:09:39: Naja, dieses Haus tut es quasi.
00:09:41: Und man müsste eigentlich eine Woche bleiben, damit man alles, was es erzählt, auch lesen, sehen und hören kann.
00:09:47: Und was mir am meisten taugt, das zeige ich dann draußen, das ist diese alte Tür.
00:09:52: Denn das war ursprünglich der Eingang zu dieser Wohnung.
00:09:55: Und...
00:09:56: Dann geht's ins Stöckel.
00:09:57: Das steht seit dem vierzehnten Jahrhundert.
00:09:59: Ein frühes Hochhaus, Waldviertel-Edition.
00:10:01: Die verwendet wurde umgebaut.
00:10:04: Es ist natürlich kein Wolkenkratzer, aber es hat mehrere Stockwerke.
00:10:07: Das war im Mittelalter schon ein Big Deal.
00:10:10: Mittlerweile ist es auch unter Denkmalschutz.
00:10:12: eh klar.
00:10:13: Drinnen Stuckdecke, restaurierte Wandmalereien, alter Holzboden und eine rußschwarze Wand in der sogenannten Rauchküche.
00:10:20: Früher gab es ja keine Rauchabzugsmöglichkeiten.
00:10:24: Aber es gab einen zentralen Kamin, wo der ganze Rauch, das heißt alles, was an Feuern im Haus geflackert hat, dort wurde der ganze Rauch hingeleitet und damit ist es dort zentral abgezogen.
00:10:36: Die Rauchküche hat Gutmann selbst entdeckt, freigeschaufelt und unbedingt erhalten wollen.
00:10:40: Verstehe ich.
00:10:41: Der ganze Raum, wo eigentlich die Rauchküche sich selbst, wo sie verwendet wurde, wo sie einfach gestanden hat, war voll mit Schutt.
00:10:50: Und ich habe das gesehen und habe mir gedacht, das grabe ich aus.
00:10:53: Und da lass ich niemanden rein, das mache ich noch nicht.
00:10:56: Und das habe ich dann wirklich gemacht in der Corona-Zeit.
00:10:58: Und das war ein Geschenk.
00:10:59: Danke dafür.
00:11:02: Ihr müsst euch vorstellen,
00:11:03: das war
00:11:03: noch alles Original.
00:11:05: Da war zwei Zentimeter Ruß drauf.
00:11:09: Das war dann schon sehr rustikal.
00:11:15: Ich wollte
00:11:15: gerade sagen, das ist schon... Aber es ist genau richtig rustikal.
00:11:20: Also wenn man draufgreift, kommt noch ein
00:11:21: bisschen was runter.
00:11:21: Ja, man muss ja auch
00:11:22: nicht spüren.
00:11:24: Das Stöckel heißt heute Sieglinde Schwarz.
00:11:27: Jetzt weiß ich auch, warum.
00:11:30: Und nicht nur für den Haus ein Gutmann ist das Siglinde-Schwarz.
00:11:32: was Besonderes.
00:11:33: Ich treffe hier eine ältere Dame, die damit ein Stück persönliche Geschichte verbindet.
00:11:38: Mein Name ist Margarete Resch-Schmatz und das ist mein Geburtshaus.
00:11:42: Ich wurde hier geboren.
00:11:43: Auch meine Brüder, meine Geschwister, wurden alle hier geboren in den Zimmer da drin.
00:11:48: Wir sitzen am kleinen Ess-Tisch im Siglinde-Schwarz.
00:11:51: Margarete Schmatz ist Jahrgang neunzehnhundertvierundvierzig, und hat in der Nachkriegszeit ihre Kindheit hier verbracht.
00:11:56: Wie findet sie das, was die Familie Gutmann aus ihrem ehemaligen Zuhause gemacht hat?
00:12:01: Ich hab das so toll gefunden.
00:12:03: Ich hab das so toll gefunden, dann ist man natürlich, wenn man Kinder und Sachen in Erinnerungen hat und jetzt ist was anders, dann schaust da ein bisschen, gell?
00:12:15: Geschaut hat Frau Schmatz aber schon immer.
00:12:17: Am liebsten hat sie früher aus dem Fenster in den Hof geschaut.
00:12:19: Damals mit Schweinestall.
00:12:21: Da hab ich mich am Fensterbrett gesessen, da war das Gitter.
00:12:25: Da war er vis-a-vis, wenn sie einen Schwindel abgestochen haben.
00:12:28: Wenn du ein Kind bist, schaust du.
00:12:31: Du möchtest das sehen, aber einerseits graust dir.
00:12:35: Ich habe überall den Schädel durchgesteckt.
00:12:37: Ich habe überall den Kopf durchgesteckt und hab nicht mehr durchgehen können.
00:12:41: Was die sich geplagt haben, meine Ohren haben sich natürlich aufgestellt.
00:12:46: Ich bin nicht mehr rausgekommen.
00:12:48: Heute kein Gitter mehr, kein Schwein.
00:12:51: Aber der Blick, der ist noch da.
00:12:53: Direkt auf die uralte Stadtmauer von Zwettl.
00:12:56: Auch die hat schon ein paar Jahrhunderte vorbeigehen sehen.
00:12:59: Zwettl hat seit zwölfhundert das Stadtrecht.
00:13:02: Die Mauer um den Stadtkern ist im dreizehnten Jahrhundert gebaut worden.
00:13:05: Sie ist aber immer wieder zerstört und teilweise neu aufgebaut worden.
00:13:09: Heute sind noch neunhundert Meter übrig.
00:13:11: Und nur hier, im Hinterhof der Stadtlofts, kann man sie auch begehen.
00:13:17: Auch Frau Schmatz steigt mit uns die Treppen hoch.
00:13:20: Oben wartet der alte Stadtweg der Adam Pfann.
00:13:22: Als Papa-Aufsteller?
00:13:24: Die Stadtmauer muss bewacht werden.
00:13:25: Das ist eines der ältesten Hochhäusern der ganzen Gegend, wo die Basis, wo wir jetzt Garten waren, auch gebaut wurde.
00:13:32: Und oben wurde schon in den Jahre und Jahre aufgestockt.
00:13:34: Und damit haben dort, nach Annahme der Bauhistoriker, die Wächter drin gewohnt.
00:13:39: Diese Wächter haben natürlich auch den besonderen Auftrag gehabt, die Stadt zu bewachen.
00:13:44: Und ist das einer der Wächter?
00:13:46: Genau.
00:13:47: Das hat's mit dem aufsehen.
00:13:49: Da haben wir sogar eine Geschichte geschrieben und diese Geschichte ... Wie die Stadt dort bewacht wurde, kannst du hier nachlesen, ist auch in die Stadt Maurer
00:13:56: eingebaut.
00:13:57: Wir finden einen historischen Brief, versteckt in der Mauer.
00:14:00: Mein Name ist Adam Pfann, ich bin Torwerter.
00:14:02: Du willst mehr bei mich und die Stadt Maurer fahren?
00:14:06: Sehen wir mal.
00:14:09: Hallo, mein Freund.
00:14:10: Der Überfall war letzten Sonntag.
00:14:12: Nach Auftrag
00:14:13: der Stadtverwaltung darf ich nachts ausschließlich Reisende und Personen mit richterlicher Erlaubnis in die Stadt lassen.
00:14:20: Wie du dir vorstellen kannst, kommt es immer wieder vor, dass Zwettler-Bürger die Zeit in einer der Tavernen außerhalb der Stadt übersehen und sich dann beeilen, um rechtzeitig in die Stadt zurückzukehren.
00:14:31: So auch am einundzwanzigsten Februar, siebzehnthundertvier.
00:14:35: Nun ja, jedenfalls haben die Missetheter heute für ihr gewaltvolles Eindringen gerade stehen müssen.
00:14:42: Ich hoffe, dass die Zwettler-Bürger sich in Zukunft an diese Sperrstunde halten und ich meinen Wachdienst etwas ruhiger verbringen
00:14:49: kann.
00:14:51: Von hier oben schaut man ins Grüne.
00:14:52: Auf der einen Seite der Garten der Lofts, auf der anderen Seite Waldviertel-Pur.
00:14:58: Ab hier starten auch die Wanderwege, die ins Umland führen.
00:15:01: Wir sind in der Zukunftsregion auch mit der Kühle des Waldviertels.
00:15:06: Wir sind zwischen siebenhundert und fünfhundertsechzig Metern.
00:15:08: Zwettl liegt auf siebenhundert Metern.
00:15:12: Und damit sehen wir auch, wie wichtig das ist, das Wasser, wie wichtig auch diese eigentlichen Wälder sind.
00:15:19: Wir haben hier Anbindung an Naturschutzgebiet.
00:15:23: Wir haben hier Anbindung an einen Zwetteltal, weil die Zwettel fließt hier vorbei und auch der Mühlbach.
00:15:29: Wir haben einen eigenen Brunnen hier, wo wir auch kühlen, wo wir auch wärmen, wo wir auch Nutzwasser nehmen können.
00:15:36: Und das funktioniert hervorragend.
00:15:38: Das heißt, dieses alte, traditionelle, wird damit in die Zukunft gebracht, was nicht kaputtgemacht worden ist.
00:15:49: Alterserhalten, Geschichten erzählen, Geschichte erlebbar machen.
00:15:53: Für Johannes Gutmann ist das nicht nur leeres Gerede.
00:15:55: Man merkt, das ist wirklich sein Ding.
00:15:58: Das treibt ihn richtig an.
00:16:00: Und er sieht darin auch das Tourismuspotenzial der Region.
00:16:03: Und das, obwohl er sich mit dem Thema Tourismus erst langsam angefreundet hat.
00:16:10: Also ich war in der Handelsakademie in Zwettl.
00:16:13: Und da hatten wir als Spezialfach-Tourismus Und ich war überhaupt nicht angetan vom Tourismus, weil eigentlich bin ich ein egoistischer Mensch und wollte diese Einzigartigkeit nicht teilen.
00:16:25: Ich habe gesagt, da kommen die ganzen und ja, ich habe eigentlich immer nur dieses Over-Tourism
00:16:30: Also wenn ich die Wachau hernehme oder wenn ich mir anschaue, was in Tirol passiert oder auch in Südtirol, man kann auch das übertreiben.
00:16:40: Und deswegen habe ich gesagt, ich will das nicht.
00:16:42: Aber als ich das dann gesehen habe und dann auch sehe, welche Möglichkeit ein sanfter Tourismus bietet.
00:16:49: Und dieser Sanfter Tourismus ist eigentlich genau das, was wir brauchen.
00:16:52: Viele Menschen sind weggezogen aus der Region.
00:16:55: Viele Menschen kommen aber immer wieder, im Sommer, weil wir sehen sie auch in unserem Geschäft, im Zwettl, wie viel plötzlich weggezogen ist und wiedergefunden wird.
00:17:07: Das heißt, es wird erzählt.
00:17:08: Man will seine Wurzel herzeigen.
00:17:10: Man ist stolz darauf, wo man herkommt und Erzählt die Geschichten weiter.
00:17:15: Das heißt, es geht immer um die Geschichte und dann auch um das Spüren, um das Erleben.
00:17:19: Also das Wichtigste ist für uns das Erlebnis.
00:17:23: Wenn Sie hier reinkommen, erstens mal ist es ruhig, zweitens die Möglichkeit die Natur zu sehen, ein Teil davon zu sein, zu spüren, was uns ausmacht und eigentlich auch die Kultur... mit nach Hause zu bringen und zu sagen, ich war jetzt wo, da war ich jetzt noch nie.
00:17:39: Und ich habe etwas erlebt, das habe ich noch nie erlebt.
00:17:42: Das heißt, die kommen ja nach Hause, erzählen das weiter, wo ich bin, was habe ich erlebt.
00:17:48: Und damit, glaube ich, kann das ganze Stadtgefüge und eigentlich die ganzen Angebote der Stadt mitmachen.
00:17:55: Ich nehme von Zwettl auf jeden Fall einiges mit.
00:17:58: Das Dach ist mir nicht auf den Kopf gefallen.
00:17:59: Gott sei Dank.
00:18:00: Aber die Geschichten, die spielen mir noch lange im Kopf herum.
00:18:06: Wenn ihr die Stadtlofts mal selbst erleben wollt, Link findet ihr in den Show-Notes.
00:18:11: Und wir schauen uns jetzt noch ein bisschen weiter in der Gegend zu.
00:18:14: Hannes hat mir noch ein paar Tipps gegeben, was man in der Region auf keinen Fall verpassen sollte.
00:18:20: Selected Secrets Tipps aus der Region.
00:18:25: Ganz in der Nähe von Zwettl und den Sonnentorlofts ist der Stausee Ottenstein.
00:18:29: Ein extrem schöner See mit vielen Verzweigungen und Buchten.
00:18:33: Am besten einfach Boot ausborgen und auf den See abfahren.
00:18:36: oder sich eine einsame Bucht suchen und dort die Seele baumeln lassen.
00:18:40: Und als kleiner Teaser, wir werden uns auch in einer anderen Folge von diesem Podcast noch mit dem Ottensteiner Stausee beschäftigen.
00:18:46: Also, super Tipp, Johannes.
00:18:48: Aber das ist nicht alles.
00:18:50: Zweiter Tipp, die Lohnbachfälle bei Schönbach.
00:18:52: Zirka sechsundzwanzig Kilometer von Zwettl entfernt.
00:18:55: Man kann da entlang des Lohnbachs wandern und sich die wunderschönen Wasserfälle anschauen.
00:18:59: Und man geht durch eine Schlucht vorbei am steinernen Brünnel.
00:19:02: Laut Johannes Gutmann ist es ein Paradies für alle, die gern Schwammerl und Heidelbeeren suchen.
00:19:07: Ich liebe Heidelbeeren.
00:19:08: Nicht nur für den Sommer zum Abkühlen-Super, sondern auch im Winter, wenn der Bach an manchen Stellen zufrieden und glitzert, ist es dort wunderschön.
00:19:19: Okay, das war Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:19:23: Heute mit Johannes Gutmann und den Sonnentor Stadtlofts in Zwettl.
00:19:26: Ich bin Christl Clear und ich freue mich darauf, in diesem Podcast viele weitere schöne Orte in Niederösterreich zu entdecken und vorzustellen.
00:19:33: Wenn euch die Folge gefallen hat, wisst ihr, was zu tun ist.
00:19:37: Ein Abo dalassen oder einen Kommentar.
00:19:39: Und natürlich gern teilen.
00:19:41: Erzählt anderen Leuten davon.
00:19:42: Vielleicht kennt ihr jemanden, der oder die dringend einen Tapetenwechsel braucht.
00:19:46: Und da wir schöne Orte entdecken möchte.
00:19:48: Vielen Dank fürs Zuhören.
00:19:50: Bis zum nächsten Mal.
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