#3 Freimaurer, Seancen und ein Tempel im Wald
Shownotes
Warum fühlt man sich sofort wie in einer anderen Welt, sobald man durch das Sterntor fährt?
Christl Clear besucht das Schloss Schönau – ein historisches Schloss mit weißer Fassade, roten Ziegeldächern und Pavillons, das über Jahrhunderte ganz unterschiedliche Geschichten erlebt hat. Einst bewohnt von Persönlichkeiten wie Jérôme Bonaparte und Erzherzogin Erschi Windisch-Grätz, ist es heute ein besonderer Ort zwischen Geschichte, Mystik und Gastfreundschaft.
In dieser Folge erfahrt ihr:
- Wie aus einem verfallenen Landschlösschen ein bewohnbares Hotel mit fünf Suiten und vier Apartments wurde – erzählt von Gastgeber Michael Kremsner.
- Welche mystischen Geschichten und spiritistischen Erzählungen sich um das Schloss ranken.
- Wie der Weg vom prunkvollen Ballsaal bis zum Trainingsort des Einsatzkommandos Cobra führte – und was das Schloss alles gesehen hat.
Selected Secrets – Tipps aus der Region:
- Schloss Schönau
- Die Berndorfer Stilklassen – Klassenzimmer als Miniatur-Bauwerke verschiedener Epochen
- Guglzipf-Wanderung – Waldlehrpfad mit Flora & Fauna, Hütte und Aussicht
Interviewpartner:innen:
Michael Kremsner (Eigentümer),
Michaela Lindinger (Publizistin und Historikerin aus Wien)
Credits
- Produktionsleitung: Jeanne Drach
- Konzeption: Jeanne Drach, Anna Muhr, Christiana Naue-Hess, Tina Scharka, Andrea Leppich
- Redaktion und Text: Anna Muhr, Christl Clear
- Gesprochen von: Christl Clear
- Signation / Musik: Marten Kaffke
- Postproduktion: Catharina Ballan, Anna Muhr
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00:00:00: Warum ich mich hier so gerne aufhalte, das ist einfach hier diese Ruhe, die man hat.
00:00:06: Also sobald man durch das Sterntor hineinfährt und es schließt sich hinter einem, dann ist man in einer anderen Welt.
00:00:14: Es gab damals diesen Tempel der Nacht, den konnte man nicht betreten, sondern man musste durch einen Wasserfallschleier, der da heruntergekommen ist, konnte man mit diesem Boot in diese Grotte hineinfahren.
00:00:25: Es gibt noch ein paar versteckte Sachen, auf die ich sie jetzt nicht aufmerksam gemacht habe, alte Mechaniken, wo wir uns immer fragen, zu was die wohl gedient haben.
00:00:36: Das ist schon sehr interessant.
00:00:38: Es gibt da noch viel zu entdecken.
00:00:43: Was haben die Freimaurer, Napoleon's Bruder, Jerome Bonaparte, die Enkelin von Sissi und die Polizeispezialanheit Cobra gemeinsam?
00:00:52: Sie alle haben schon das Schloss Schönau in Triestingtal bewohnt.
00:00:56: Und das ist längst nicht alles, was die mysteriöse Geschichte des Ortes zu bieten hat.
00:01:01: Man kann sagen, seit es Schloss Schönau gibt, gibt es auch Spekulationen darum, was hinter den Mauern, die das große Anwesen abschotten, passiert.
00:01:09: Und es ist auch gar nicht immer so leicht, hinter diese Mauern zu kommen.
00:01:13: Nicht zuletzt, weil Schönau heute immer noch bewohnt wird.
00:01:15: Von Gästen natürlich.
00:01:17: Aber auch von den Eigentümern selbst.
00:01:20: Wir haben um Einlass gebeten.
00:01:21: Und durften rein.
00:01:27: Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:01:35: Ein
00:01:35: Podcast von Niederösterreich Tourismus.
00:01:38: Ich bin Christl Clear.
00:01:40: Autorin, Podcasterin, Influencerin.
00:01:42: Geboren in Wien und eigentlich Großstadtmensch.
00:01:46: Manchmal muss man die Stadt aber auch hinter sich lassen, oder?
00:01:49: Und was liegt literally näher als Niederösterreich?
00:01:52: Man kann dort echt viel sehen und erleben, viel grün, historische Gemäuer, Geschichte und Kultur.
00:01:59: In diesem Podcast werde ich also Niederösterreich neu entdecken und mir handverlesene Orte zum Bleiben, Entschleunigen und Auftranken suchen.
00:02:08: Ich besuche außergewöhnliche Häuser und Hotels, besondere Plätze und treffe Gastgeberinnen, die einem sofort das Gefühl geben, angekommen zusammen.
00:02:17: Heute wird sogar ein bisschen spooky.
00:02:19: Da bin ich ja immer ganz vorne mit dabei.
00:02:22: Das ist Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:02:25: Schön, dass ihr dabei seid.
00:02:30: Es heißt zwar Schloss, aber es sollte nicht immer heißen, dass es zugeschlossen ist.
00:02:34: Und insofern haben wir eigentlich mit sehr viel Freude, das dann begonnen zu öffnen.
00:02:40: Und natürlich haben dann immer mehr Leute das entdeckt.
00:02:43: Habe ich schon mal einen echten Schloss angetroffen?
00:02:46: Ich glaube nicht.
00:02:48: Aber jetzt sitze ich an dem Gegenüber.
00:02:50: Michael Kremsner.
00:02:51: Hochgewachsen, weißes Haar, elegant, aber irgendwie doch lecher gekleidet.
00:02:56: Wir sind in seinem Büro und schauen hinaus auf einen traumhaften Schlossteich.
00:03:01: Kremsner ist Unternehmensberater und ja, ihm und seiner Familie gehören Schloß Schönau und der Park, in dem es steht.
00:03:07: In Ihren Worten, wie würden Sie das Schloß Schönau beschreiben?
00:03:11: Also ich glaube Schloss Schönau ist ein sehr besonderer Ort.
00:03:15: Wir haben einen dreißig Hektar großen Schlosspark und früher, also im achtzehnten Jahrhundert, wurde diese Schlossanlage das Elysium von Österreich genannt.
00:03:27: Und der Hintergrund ist bestimmt der, weil es eben ein sehr schön gestalteter englischer Landschaft ist.
00:03:34: Park ist, der damals auch seinesgleichen gesucht hat und eben ein so ein schöner Ort war, dass die Deutschen darüber geschrieben haben, wie gibt es das?
00:03:45: Die Österreicher haben so ein schönes Elysium.
00:03:47: in Deutschland gibt es das nicht.
00:03:50: Das Gelände hier ist wirklich riesig.
00:03:53: Reingekommen sind wir beim Stern-Tor.
00:03:54: Das ist näher am Schloss dran.
00:03:56: Bis zum Löwentor auf der anderen Seite vom Park geht man ca.
00:03:59: zwanzig Minuten.
00:04:01: Das Schloss selber ist ein romantisches Landschlösschen, weiße Fassade, rote Ziegeldach, ein paar kleine Türmchen und Pavillons, zurückhaltend, elegant, kein Kitsch.
00:04:11: Familie Kremsner hat Schönau Anfang der zweitausender gekauft.
00:04:15: Damals hat es hier noch ein bisschen anders ausgeschaut.
00:04:17: Die größte Kraftanstrengung war am Anfang überhaupt sozusagen das Haus bewohnbar zu machen.
00:04:24: Es war vorher acht Jahre lang Leerstand.
00:04:26: Es sind schon die Bäume durchs Dach gewachsen.
00:04:29: Es hatte keinen Anschluss an den Kanal, keinen Anschluss an die Wasserleitung, keinen Gasanschluss, einen ärmlichen Stromanschluss.
00:04:37: Heute bewohnt die Familie Kremsner das Schloss.
00:04:40: Für Gäste gibt es fünf Suiten im Schloss und vier Apartments im Schloss Park, die man auch für einen längeren Aufenthalt buchen kann.
00:04:48: Man darf sich das Ganze aber nicht vorstellen wie ein normales Hotel, in dem täglich Gäste ein- und auschecken.
00:04:54: Es ist eher ein Ort für besondere Anlässe.
00:04:56: Also am Anfang war es ja so, dass es rein Wohnsitz war.
00:05:00: Und erst mit der Zeit, weil auch sehr viele Anfragen gekommen sind, ob man hier nicht mal sozusagen eine Veranstaltung machen könnte, haben wir begonnen es zu öffnen.
00:05:11: Aber dadurch, also wir wollen jetzt nicht, dass hier sozusagen jeden Tag und jede Nacht rambazamba ist.
00:05:20: Wir machen das eigentlich sehr zurückhaltend, dass wir die Liegenschaft öffnen.
00:05:26: Wenn man am Gelände übernachtet, schläft man auf jeden Fall an einem Ort, der Weltgeschichte und Weltpolitik gesehen hat.
00:05:32: Das Schloss Schönau liegt hier im Triestingtal zwar ein bisschen ab vom Schuss und gut verborgen, aber trotzdem war es lange Zeit The Place To Be.
00:05:40: Die Blütezeit von Schönau war eben um achtzehnhundert.
00:05:46: Damals hat der Freiherr von Braun eben diese Anlage angelegt, diesen englischen Landschaftspark.
00:05:53: Er galt damals als Reichster Österreicher und hat mit seinem unglaublichen Vermögen eben diesen Märchenpark angelegt, hat sich ein wunderbares Wasserschloss gebaut.
00:06:04: und eben Schönau ist berühmt geworden wegen seiner Feste.
00:06:07: Er hat unglaublich prunkvoll.
00:06:11: und ausschweifende Feste hier gefeiert und es war deshalb ganz Europa hier zu Besuch.
00:06:16: Also vom russischen Zaren angefangen bis zum französischen Hochadl waren hier alle zu Besuch.
00:06:23: Also das war eine ganz besondere historische Epoche.
00:06:27: Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert haben wir einige historische Kapazunder das Schloss besessen bzw.
00:06:32: bewohnt.
00:06:33: Zum Beispiel Napoleon's jüngster Bruder Jerome Bonaparte.
00:06:36: Der war hier in den achtzehnzwanziger Jahren im Exil.
00:06:39: Und später kamen dann auch die Habsburger nach Schönau.
00:06:42: Die Habsburger sind dann ziemlich genau hundert Jahre später gekommen.
00:06:46: Dort haben sie die Liegenschaft erworben.
00:06:49: Sie haben es nicht im Staatsbesitz erworben, also es war nicht Staatsärar von den Habsburgern, sondern es war ihr Privatbesitz.
00:06:56: Ich wollte Sie gerade fragen, wiefern Sie sich da rein recherchiert haben, aber es klingt, als hätten Sie viel Recherche betrieben.
00:07:02: Gibt es da das eine oder andere Geschichte, das wirklich nur ein Geschichte ist?
00:07:06: Also was jetzt genau stimmt und was eben sozusagen dann nur ein Geschichte ist, lässt sich nicht mehr immer so haarscharf feststellen.
00:07:14: Also es gibt ja diese Geschichten von den Seancen von der Elisabeth Marie Windisch Grätz.
00:07:22: Also das war die Lieblingsenkelin vom Kaiser Franz Josef.
00:07:25: Und die hat eben hier ihre Seancen gemacht, also im Volksmund nennt man das Tischal Rücken, also wo sie das jenseits beschworen hat.
00:07:36: Also sie hat ein sehr großes Faible für den Okkultismus gehabt und es soll hier im Haus so wild zugegangen sein.
00:07:45: Also die Poltergeister sind hier eingezogen und da gibt es also die tollsten Geschichten.
00:07:51: Wo man sich nicht genau sicher ist, was davon will man wirklich glauben und was nicht.
00:07:57: Das liebe ich, dass es hier Geistergeschichten auch gibt.
00:08:00: Weil was wäre bitte ein Schloss ohne Gruselgeschichten?
00:08:04: Ich merke aber relativ schnell, dass Herr Kremsner nicht wirklich gern darüber spricht.
00:08:08: Ich habe das Gefühl, er glaubt nicht so ein Geister.
00:08:11: Trotzdem interessiert mich diese Frau, die hier im Schloss gern Tischel gerückt hat.
00:08:14: Elisabeth Windisch-Grätz.
00:08:17: Auch bekannt als rote Erzherzogin, weil sie mit der Sozialdemokratie sympathisiert hat.
00:08:21: Sie war die Tochter von Komprinz Rudolf und damit die Enkelin von Kaiserin Sissi und Kaiser Franz Josef.
00:08:28: Sie ist von Kind an Erschi gerufen worden.
00:08:30: Erschi, das ist ein ungarischer Kosenname für Elisabeth und als solcher ist sie eigentlich auch bekannt.
00:08:36: Das ist Michaela Lindinger, Publizistin und Historikerin aus Wien.
00:08:40: Sie hat ein Buch über die Erschi geschrieben.
00:08:42: Die Erzherzungen des Achtzehn-Drei und-Achtzig Geboren hat früh geheiratet, sich dann bald wieder von ihrem Mann getrennt und wollte das Schloss Genard haben, um dort mit ihren Kindern zu leben.
00:08:52: Das Geld für den Kauf hat ihr der Opa Kaiser Franz Josef gebraucht.
00:08:55: Erschi wohnt also zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Schloss Schönau.
00:08:59: Sie lässt das Schloss nach ihren Vorstellungen umbauen.
00:09:02: Und sie benutzt es auch als Ort für ein besonderes Hobby.
00:09:05: Spiritismus.
00:09:07: Kontaktaufnahme mit Verstorbenen.
00:09:10: Damals ein ziemlicher Trend.
00:09:11: Sie selber hat sozusagen gelebt während der zweiten Spiritismus-Welle in Europa.
00:09:15: Das waren die neunzehnzwanziger Jahre.
00:09:17: Das ist eine Bewegung, die von Frauen sehr stark getragen worden, weil halt im Ersten Weltkrieg sehr viele Männer gestorben oder verschollen sind.
00:09:24: Und man hat sozusagen dann versucht in diesen spiritistischen Sitzungen... mit diesen verschollenen Männern, Kindern, Verlobten Kontakt aufzunehmen.
00:09:32: Und deswegen war das nach neunzehnachtzehn also in den Zwanzigern, eine so große Geschichte, eine Welle, die ganz viele Frauen erfasst hat.
00:09:39: Und die Erschi hat ja auch Leute verloren, also ihren Vater durch Selbstmord, Kronprinz Rudolf, und auch ihren Freund Egon Lercht, das war ein U-Boot-Kapitän, der ist neunzehnhundertsiebzehn, mit einem U-Boot untergegangen.
00:09:50: Und das war, glaube ich, ihre ganz große Liebe.
00:09:52: Und dem hat sie unglaublich nachgetraut.
00:09:54: Und ich denke, dass diese Spiritismus-Welle sie deswegen auch erfasst hat, weil sie geglaubt hat, sie findet jetzt vielleicht Antworten, dass sie vielleicht noch sprechen wollte über Dinge, die sie ihm nicht mehr sagen konnte.
00:10:03: Solche Dinge.
00:10:04: Erzherzogin Erschi lädt regelmäßig zu Seancen ins Schloss Schönau.
00:10:09: Aber das ist noch nicht alles.
00:10:11: Erschi hat nicht nur Seancen sozusagen veranstaltet in diesem Schloss, sondern sie hat einfach auch Medien, wie man sagte, getestet.
00:10:17: Also sie ist nicht nur darum gegangen, mit den Toten kontakt aufzunehmen, sondern sie sind auch ganz andere Versuche, die heute als Grenzwissenschaft bezeichnet worden sind.
00:10:26: Erschi hat einen Lehrmeister gehabt, der heißt Schreck-Notzing, das war ein Deutscher, ein Parapsychologe und der hat sie eigentlich beraten.
00:10:32: Also welche Medien sollen nach Schönau kommen, wer wird dort was zeigen oder was vorführen.
00:10:37: Und das ist als von kleinen Tricks so nach dem Motto ich Leute eine Glocke, die man nicht sieht oder ich lasse irgendwas durch die Luft fliegen.
00:10:43: Also da hat es halt angefangen.
00:10:45: Aber das ist soweit gegangen, dass solche, ich weiß nicht, wie es nennen soll, Medien, sagen wir es halt mal so, dass die auch die Schwerkraft überwunden haben und angeblich durch das Zimmer geflogen seien.
00:10:55: Also der Sohn von Erschi, der älteste, war dabei und er bezeugt diese Phänomene.
00:10:59: Und dann kam etwas später Ende der zwanziger Jahre dann auch auf Empfehlung eben dieses Schrenk-Notzing, eine Dienstmagd aus dem Burgenland in dieser Schloss.
00:11:08: Und diese Wilma Molner
00:11:09: soll also Kräfte gehabt haben, die also unkontrolliert waren, die war jetzt nicht als Medium ausgebildet oder dergleichen, aber die hat Dinge herbeigebracht unter Anfangszeichen.
00:11:19: Sie dürfte ein Energie- oder ein Strahlungsfeld um sich gehabt haben und da sind die Gabeln und Messer durch die Küche geflogen und dergleichen.
00:11:27: Zurück zu Michael Kremsner.
00:11:29: Der hat von der übersinnlichen Wilma natürlich auch schon gehört.
00:11:32: Es gibt schon Aufzeichnungen darüber.
00:11:35: Die Wilma wurde auch in einer neurologischen Abteilung in Wien.
00:11:39: Detailiert untersucht, weil man herausfinden wollte, woher nimmt sie diese Kräfte.
00:11:44: Aber... Wir sind seit einundzwanzig Jahren hier und uns ist noch kein Poltergeist über den Weg gelaufen.
00:11:50: Das
00:11:50: beruhigt mich.
00:11:53: Okay, also bleiben wir im Diesseits.
00:11:55: Auch ohne Spuk und Geisterstories, gibt es ja einen besonders mystischen Ort am Gelände in Schönau.
00:12:00: Was ist der Tempel der Nacht?
00:12:02: und in was für einer Verbindung steht er mit Mozarts Zauberflöte?
00:12:06: Also der Tempel der Nacht wurde eben vom Freiherr von Braun erbaut.
00:12:09: Er war sozusagen das Zentrum von seinem englischen Landschaftspark, von seinem Märchenpark.
00:12:15: Und der Freiherr von Braun war ja Theaterdirektor von den drei großen Theatern in Wien und deshalb wollte sich hier auch etwas bauen.
00:12:26: wo er eben so seine Aufführungen inszenieren kann.
00:12:30: Und der Tempel der Nacht ist nach der Geschichte von der Zauberflöte entstanden.
00:12:36: Das heißt, man geht durch ein Labyrinth, man geht durch die Dunkelheit, man geht durch die großen Gefahren.
00:12:43: Man muss sozusagen alle Prüfungen bestehen, um dann in den Tempel zu kommen und dort die Erleuchtung zu erfahren.
00:12:50: Das erinnert mich ein bisschen an die Freimaurer.
00:12:53: Ja, Freiherr von Braun war ein Freimaurer und wir können davon ausgehen, dass auch freimaurische Treffen hier stattgefunden haben.
00:13:01: Es gibt auch viele Elemente, freimaurische Elemente, die im Tempel versteckt, eingebaut sind.
00:13:07: Aber zu der Zeit wurden dann die Freimaurer verboten und der Freiherr von Braun ist dann auch ausgetreten bei den Freimauern, weil er sich sein gutes Verhältnis zum Kaiserhaus nicht damit belasten wollte.
00:13:19: Ich muss diesen Tempel der Nacht sehen.
00:13:23: Offensichtlich.
00:13:25: Und ja, ich muss Michael Kremsner erst ein bisschen überreden, dass er mich hinführt.
00:13:29: Aber er macht's.
00:13:31: Wir stehen hier direkt vor dem Tempel der Nacht.
00:13:34: Der Zutritt zum Tempel der Nacht zur Zeit, also vom Freiherr von Braun, war eben nur übers Wasser möglich.
00:13:41: Da sehen Sie den Schlossteich, also den Schwanenteich.
00:13:45: Und früher ist man eben am Ende vom Schwanenteich in eine Gondel gestiegen und ist dann über den Teich hinübergefahren unter die Brücke.
00:13:54: Und unter der Brücke ist ein Spalt im Fels und nur durch diesen Spalt.
00:13:59: konnte man dann sozusagen in die Unterwelt gehen.
00:14:02: Also das ist auch wieder so griechische Mythologie.
00:14:04: Nicht mal fährt über den Totenfluss hinüber und steigt in die Unterwelt.
00:14:08: Schwimmsachen
00:14:09: habe ich natürlich jetzt nicht dabei.
00:14:10: Aber heute kommt man zum Glück eh auch anders in den Tempel.
00:14:15: Michael Kremsner führt uns eine Viertelstunde durch die Grotte.
00:14:18: Die Gänge sind so verwinkelt, ich würde mich ohne ihn komplett verlaufen.
00:14:22: Es ist schummrig und auch ein bisschen unheimlich, um ehrlich zu
00:14:25: sein.
00:14:30: Und sie merken, dass wir hier jetzt hinaufgehen und dann geht es wieder hinunter.
00:14:33: Und das ist eben der Lebensweg, das auf und ab im Leben.
00:14:37: Sie sehen hier diese Bank mit zwei Sitzplätzen.
00:14:40: Das ist die Station, wo man einen Lebenspartnerin findet.
00:14:43: wo man heiratet.
00:14:44: Deshalb ist dieser Raum auch sehr schön.
00:14:47: Hat eine tolle Akustik, da ist ein Wasserfall aus der Wand gekommen.
00:14:51: Es war mit Moos bewachsen, mit Farnen und vor dieser Öffnung.
00:14:55: Das ist der einzige Raum, der Tageslicht hatte.
00:14:59: Ist eben wenn die Sonne reinscheint, dann hat es einen ganzen schönen Lichteffekt gegeben.
00:15:04: Und drum hat der Saal den Namen Kristallsaal gehabt.
00:15:07: Langsam lichten sich die Gänge.
00:15:09: Dann steht da aber noch eine letzte Botschaft an der Wand.
00:15:12: Ihr Pforten auf, es ist vollbracht, dem Pilger lohnt die heitere Nacht.
00:15:17: Also es ist vollbracht, man hat den Lebensweg geschafft, man hat alle Prüfungen bestanden.
00:15:23: Ihr Pforten auf, also wir stehen jetzt vor dem Pforten zum Tempel der Nacht.
00:15:27: Und dem Pilger lohnt die heitere Nacht.
00:15:29: Also jeder ist Pilger auf seinem eigenen Lebensweg.
00:15:32: Und die Nacht, in die wir jetzt hinausgehen, ist nichts Bedrohliches, sondern etwas Angenehmes.
00:15:39: Man kann die Nacht genießen.
00:15:42: Weil damals, um achtzehnhundert, war natürlich die Nacht etwas eher Bedrohliches.
00:15:46: Wenn es dunkel geworden ist, ist man nach Hause gegangen und hat geschaut, dass man im Haus ist, weil draußen Wege, Lagerer, Gauner, wilde Tiere und hier sozusagen eben auch wieder ... Am
00:15:58: Ende stehen wir endlich im Tempel der Nacht.
00:16:02: Ja, also das ist jetzt der zentrale Tempelraum.
00:16:06: Und Kremsner erzählt, dass das alles mal unglaublich prunkvoll
00:16:10: war.
00:16:10: Der Tempel war im Überdacht mit einer Halbkugel, auf der war das Sternenfirmament dargestellt, so wie man es am winterlichen Nachtirmel sieht.
00:16:19: Mit den Sternzeichen, man konnte die Milchstraße erkennen, der Mond ist aufgegangen, ist über das Firmament gewandert.
00:16:28: und hat alle Mondphasen durchwandert.
00:16:30: Also da war eine Mechanik eingebaut.
00:16:32: Zusätzlich war oben im Gebelg ein Flötenwerk eingebaut und Salieri und Kerobini haben dafür eigene Musikstücke komponiert.
00:16:41: Das Ganze war erleuchtet mit alabaster Lampen, also sehr dezent.
00:16:46: Heute ist der Tempel eine nach oben hin offene Rundung.
00:16:49: Gras bewachsen, die alten Sollen kann man noch erkennen und es ist sehr still hier.
00:16:54: Ich stelle mir vor, dass man hierher kommt, wenn einem draußen einfach alles zu viel wird.
00:16:58: Man liest ein Buch, meditiert und lässt den Stress einfach hinter sich.
00:17:05: Aber so still war es nicht immer.
00:17:07: Die verwinkelten Gänge der Grotte und der Tempel wurden seit dem Bau für alles Mögliche genutzt.
00:17:12: Und so wirklich für alles Mögliche.
00:17:15: Ihr denkt jetzt an wilde, schlüpfige Partys und so was?
00:17:18: Ja, das sowieso.
00:17:19: Aber es wurden hier auch schon Trainings mit Gasmasken absolviert, erzählt Michael Kremsner.
00:17:24: Weil noch so ein Fun-Fact, auch das Einsatzkommando Cobra war von neunzehnachtundsiebzig bis neunzehnzweiundneunzig im Schloss Schönau unterbegracht.
00:17:44: Im Park war ein Hindernisparkour angelegt, zu Trainungszwecken, aber auch als Aufnahmeprüfung.
00:17:51: Also die Rekruten mussten diesen Hindernisparkour in einer gewissen Mindestzeit schaffen, um eben aufgenommen zu werden.
00:17:59: Da waren dann auch über den Schlossteich Stahlseile gespannt, über die man sich hinüberhanteln musste.
00:18:05: Und die Cobra hat auch im Tempel der Nacht, haben ja die Veteranen erzählt, haben sie dort Training gemacht.
00:18:13: und mit Gasmasken und Rauchgranaten in den unterirdischen Gängen trainiert.
00:18:18: Also man kann sagen, viel Rücksicht auf, sagen wir mal, diese historischen
00:18:22: Strukturen hat
00:18:24: man gerade nicht genommen.
00:18:26: Ist das
00:18:26: kaputt gegangen?
00:18:27: Also nicht durch den Einsatz von der Cobra, soweit wir das nachvollziehen können, aber in dem Tempel der Nacht wurde in den Sechziger Jahren ein Beisl eingebaut.
00:18:39: Manche nennen es Beisl, manche nennen es Disco, manche nennen es Etablissement.
00:18:45: Ein Veranstaltungsraum.
00:18:46: Ja, der anscheinend sehr rot beleuchtet war.
00:18:52: Also gibt es ganz lustige Geschichten aus der Zeit, wer sich dort aller getroffen hat.
00:18:57: Das war sehr beliebt in der Künstlerszene.
00:19:00: Die wilden Tage haben das Schloss Schönau und der Tempel der Nacht also schon hinter sich.
00:19:05: Wenn es heute mal ein bisschen lauter zugeht, dann ist das ziemlich sicher bei einer Hochzeit.
00:19:09: Seit ein paar Jahren kann man auf Schloss Schönau nämlich auch heiraten.
00:19:13: Herr Kremsner erzählt uns, dass gleich die erste Hochzeit, die damals stattgefunden hat, auf Social Media viral gegangen ist.
00:19:19: Es klingt als wäre nicht nur happy darüber.
00:19:22: Wenn sowas mal auf Instagram gepostet wird, ja.
00:19:27: Also das ist dann gleich reingebrochen auf uns.
00:19:30: Also wir kriegen jetzt eigentlich jede Woche wahrscheinlich zehn Anfragen für eine Hochzeit.
00:19:35: Und wir sind da auch sehr selektiv.
00:19:37: Also wir nehmen auch nicht jedes Hochzeitspaar.
00:19:40: Wir schauen uns das schon an, wer das ist und ob die auch unsere Location schätzen.
00:19:46: Ob es da nur um Rambazamba geht oder ob es wirklich eine stilvolle Hochzeit ist.
00:19:50: Weil die kann man hier wirklich... wirklich wunderbar feiern, das muss man sagen.
00:19:54: Ganz ehrlich, das war auch mein allererster Gedanke, als wir hier angekommen sind.
00:19:58: Es ist die perfekte Hochzeitslocation.
00:20:01: Also zumindest, wenn man nicht an Geister glaubt.
00:20:03: Apropos, gerade weil Schloss Schönau eine, na ja, sagen wir, mystische Vergangenheit hat, sind Hochzeiten halt nicht das einzige, was angefragt wird.
00:20:12: Die skurrilste Anfrage war bestimmt, dass es einmal am Sternentor geläutet hat und es waren Schamanen am Tor und die haben darum gebeten, dass sie ihre Katze im Tempel der Nacht begraben dürfen, weil der Geist der Mutter sei in die Katze gefahren und die Mutter hat sich immer gewünscht, im Tempel der Nacht begraben zu sein.
00:20:38: Ich weiß jetzt nicht einmal, was ich darauf sagen soll.
00:20:41: Okay.
00:20:42: Also das war für alle überraschend.
00:20:45: Ist die Katze jetzt hier
00:20:47: oder ja?
00:20:47: Nein, die Katze wurde hier nicht begraben.
00:20:50: Ich wollte nur auf nur Nummer Sicher gehen.
00:20:52: Ein Katzengrab findet man also im Schlosspark genauso wenig wie Poltergeister.
00:20:56: Es gibt also wirklich keinen Grund, sich zu fürchten.
00:20:58: Wer sich trotzdem nicht gleich übernachten traut, kann sich das Schloss und den Schlosspark und vor allem auch den Tempel der Nacht bei einer Führung anschauen.
00:21:05: Auch Konzerte oder Theateraufführungen finden dort manchmal statt.
00:21:09: Alle Infos dazu gibt's, wie immer in den Shownotes.
00:21:12: Und was empfiehlt uns Michael Kremsner in der Region rund ums Schloss sonst noch?
00:21:18: Selected Secrets.
00:21:19: Tipps aus der Region.
00:21:22: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich der industrielle Arthur Krupp aus dem Ort Berndorf im Triestingtal was ausgedacht.
00:21:29: Er wollte Schulkindern ein Verständnis und ein Gefühl für Kunst nahebringen und hat deshalb in zwei Schulen die Räume so gestalten lassen, dass jedes Klassenzimmer einem anderen historischen Baustil nachempfunden ist.
00:21:40: Von byzantinisch bis klassisch imperial.
00:21:43: Die Berndorfer Stilklassen sind also ein Ausflugstip für Kunstinteressierte.
00:21:46: Man kann sie allerdings nur am Wochenende besichtigen, weil unter der Woche wird dort immer noch unterrichtet.
00:21:52: Wir bleiben im Berndorf.
00:21:54: Das ist ca.
00:21:54: zwanzig Kilometer vom Schloss Schönau entfernt.
00:21:57: Dort kann man auf den Hausberg den sogenannten Guglzipf hinaufspazieren.
00:22:01: Und beim hinaufgehen lernt man auf dem Waldleerpfad, was über Flora und Fauna, über verschiedene Waldtypen und die Tiere, die da leben.
00:22:08: Der Pfad ist knapp drei Kilometer lang, also circa eineinhalb Stunden Gehzeit.
00:22:12: Hin und wieder geht's ein bissl bergauf auf, also feste Schuhe machen schon Sinn.
00:22:16: Aber oben warten dann eine kleine süße Hütte und eine tolle Aussicht.
00:22:21: Auch dazu alle links in den Shownots.
00:22:26: Das war Urlaubsgeschichten zum Bleiben.
00:22:29: Heute mit Michael Kremsner und dem Schloss Schönau im Triestingtal.
00:22:33: Ich bin Christl Clear und ich freue mich schon, euch in diesem Podcast noch viele weitere besondere Orte zum Bleiben in Niederösterreich näher zu bringen.
00:22:41: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann wisst ihr, wie es geht.
00:22:44: Abonniert den Podcast, schreibt mir gerne ein Feedback und teilt die Folge mit Freundinnen oder Freunden.
00:22:49: Vielleicht fällt euch ja jemand ein, der oder die gerade Lust auf einen kleinen Tapetenwechsel hat und sich über Anregungen freut.
00:22:55: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
00:23:10: Ein Podcast von Niederösterreich Tourismus.
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