#6 Die Kellerkatze weiß es zuerst

Shownotes

Wie fühlt es sich an, mitten in einer Kellergasse zu wohnen, mit Blick auf die Reben und einem Glas Rosisecco in der Hand?

Christl Clear reist ins Weinviertel nach Schrattenthal zum Weingut Hindler und entdeckt Weinviertler Kellerstöckl, jahrhundertealte Weinkultur und nachhaltigen Bioweinbau.

In dieser Folge erfahrt ihr:

  • Wie Rosi und Karl Hindler seit über 200 Jahren Wein machen und was den Familienbetrieb bis heute prägt.
  • Wie aus alten Presshäusern komfortable Kellerstöckl-Apartments wurden – inklusive Terrasse, Sauna und Weinlounge.
  • Warum die Weinviertler Kellergassen UNESCO-Kulturerbe sind – erklärt von Johannes Rieder, Kellergassenführer und Autor.
  • Was es mit der legendären „Kellerkatze“ auf sich hat und warum sie früher als Wein-Barometer galt.
  • Wie Tradition, Trends und neue Technologien im modernen Weinbau zusammenspielen.

Selected Secrets – Tipps aus der Region:

Interviewpartner:innen:
Rosi und Karl Hindler (Eigentümer),
Hannes Steinacker (Geschäftsführer Weinviertel Tourismus),
Johannes Rieder (Kellergassenführer und Autor)

Credits

  • Produktionsleitung: Jeanne Drach
  • Konzeption: Jeanne Drach, Anna Muhr, Christiana Naue-Hess, Tina Scharka
  • Redaktion und Text: Anna Muhr, Christl Clear
  • Gesprochen von: Christl Clear
  • Signation / Musik: Marten Kaffke
  • Postproduktion: Catharina Ballan, Anna Muhr

Dieser Podcast wurde produziert von OH WOW.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es fällt uns auch gerne immer bei einem guten Glas eine gute Idee ein.

00:00:03: Und ich glaube, vielleicht ist es auch dazugekommen, der Wunsch von den Gästen war immer wieder, auch wirklich direkt beim Winzer zu übernachten.

00:00:13: Die Weinkeller sind Orte des Gesprächs und auch von ausgedehnten Kellerrunden.

00:00:18: Die Gäste werden eingeladen, wenn sie vorbeikommen hast an Durst, hast Zeit magst was trinken.

00:00:23: Es ist heute eh jeder im Job auch sehr viel gefordert und da freut man sich auf ein paar Tage Auszeit.

00:00:31: Und diese Ruhe oder auch dieses Authentische, was es bei uns gibt, dass man da wirklich einmal direkt mit dem Winzer plaudern kann oder mal eine Stunde gemütlich beieinander sitzen kann, das ist für viele heute schon einzigartig.

00:00:45: Die Sonne geht unter, der Wind raschelt durch die Weinreben, man legt die Beine hoch und öffnet eine gute Flasche Wein.

00:00:54: Das ist dann schon ziemlich nah dran am perfekten Moment.

00:00:58: Familie Hindler hat das jeden Tag, weil wie Rosi Hindler sagt, wir leben da, wo andere Urlaub machen.

00:01:04: Netterweise teilen die Hindlers ihr kleines Paradies mit Gästen, die bei ihnen im Rätselland übernachten können.

00:01:10: In den Kellerstöckl Apartments am Weingut Hindler.

00:01:13: Dort gibt es Naturkino und Weinkultur.

00:01:16: Und vielleicht kann man sogar die berühmt berüchtigte Kellerkatze streicheln.

00:01:20: Aber dazu später mehr.

00:01:26: Urlaubsgeschichten zum Bleiben.

00:01:34: Ein Podcast von Niederösterreich Tourismus.

00:01:39: Ich bin Cristl Clear, Autorin, Podcasterin und Influencerin.

00:01:43: Für diesen Podcast besuche ich besondere Orte in Niederösterreich.

00:01:47: Sie gehören zu den Selected Stays, das heißt sie sind Handverlesen.

00:01:51: Sie haben viel Seele und es stecken interessante Geschichten dahinter.

00:01:55: Manchmal muss man ja die Stadt und den Stress auch hinter sich lassen und was Neues entdecken, oder?

00:02:00: Auf meinen Reisen durch Niederösterreich erlebe ich nicht nur Natur pur, sondern ich lerne auch viel über Kultur und Geschichte und treffe viele herzliche Menschen.

00:02:08: Und manchmal gibt es sogar ein gutes Glaserl Wein dazu.

00:02:12: Willkommen bei Urlaubsgeschichten zum Bleiben.

00:02:15: Schön, dass ihr mich begleitet.

00:02:17: Heute zum Weingut Hindler in Schrattenthal im Weinviertel.

00:02:22: Man sagt ja auch zu den Weingläsern, wenn man zusammenprostet, das sind die Kirchenglocken des

00:02:29: Kellers.

00:02:33: Also ich weiß echt nicht, wie man eine Führung durch ein Weingut besser einleuten sollte als mit diesen Kirchenglocken.

00:02:40: Rosi Hindler begrüßt uns im Weingut Hindler in Schrattenthal, der kleinsten Weinstadt Österreichs.

00:02:45: Die Stadt Schrattenthal ist klein, aber fein, kann man sagen.

00:02:48: Wir haben so dreihundert Einwohner in unserem Ort und können wirklich auf eine tolle Weinkultur zurückblicken, auf guten Wein und auch tolle Events durch unsere Historie.

00:02:59: Das einzigartige wirklich da an dem Weinviertel ist unsere Kulisse, diese geschlossenen alten Kellergassen, die sie durch die Landschaft prägen und das ruhige Flair auch ausstrahlen.

00:03:11: Die Hindlers sind seit achtzehnhunderzehn, also seit mehr als zweihundert Jahren hier im Retzerland als Winzer aktiv.

00:03:18: Heute führen Rosi und Karl Hindler den Familienbetrieb.

00:03:21: Sie betreiben biologischen Weinbau, also alles im Einklang mit Boden und Natur.

00:03:26: Und sie profitieren dabei von der besonderen Lage.

00:03:29: Weil, da habe ich ziemlich gestaunt, to be honest, das Retzerland lag früher am Meer.

00:03:35: Also vor zwanzigmillionen Jahren war unser Gebiet auch noch komplett mit Meereswasser

00:03:41: überzogen, das sogenannte Paratethys Meer, hat sich auch hier im Retzerland ausgebreitet.

00:03:47: Mit der Zeit ist das Wasser zurückgegangen und der Meeresboden hat sich hier im Retzerland auch verfestigt.

00:03:52: Der Mannhartsberg ist ja auch ein Ausläufer von der böhmischen Masse, die sie im Retzerland hier ausbreiten, bis Schrattenthal geht 

00:04:01: der Granit noch und bricht diese Granitplatte wieder ab und mischt sie eben mit diesem Kalk, mit dem Muschelkalk ineinander und auch mit dem Meeressand.

00:04:10: Das gibt ja auch einzigartige Geologie für unsere Weine.

00:04:14: Also Grüner Veltliner auf verschiedenen Böden gepflanzt, gibt eine wunderbare Vielfalt auch für unsere grünen Veltliner hier im Weinviertel.

00:04:22: Das ist extrem spannend.

00:04:24: Wein

00:04:25: und Geschichte.

00:04:26: Heute sind hier jedenfalls überall sanfte Hügel und Weinreben, wo man hinschaut.

00:04:30: Eine Landschaft, die man beim Wandern oder beim Fahrradfahren erkundet.

00:04:33: Naja, und der Grüne Veltliner und andere gute Weine sind natürlich auch ein Grund, warum sich die Winzerinnern in der Gegend nie über zu wenig Besuch beklagen können.

00:04:42: Auch bei Familie Hindler haben die Leute immer gern vorbeigeschaut, um den Wein direkt ab Hof zu kaufen und ein bisschen zu tratschen.

00:04:48: Da war es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt zum Übernachtungsangebot.

00:04:52: Wir haben sehr viele Kontakte auch im letzten Verbrauchersegment bei Privatkunden und da, glaube ich, ist auch immer wieder an der Wunsch gekommen, jetzt fahre endlich einmal zum Weinbau an und schau, wo der Wein wächst und tue das auch in ein paar Tagen gleich miteinander harmonieren und geh radfahren, geh gut essen, genieß die Region und verbringe da wirklich auch ein paar Tage im Weinviertel und übernachte in den Weinviertler Kellerstöckeln.

00:05:21: Das war die gute Idee, die der Familie Hindler bei einem Glas Wein gekommen ist.

00:05:26: Das Dachgeschoss früher war ja auch immer für die Weingartenarbeiter ein Platz als Raststätte.

00:05:32: Darum sind wir auch wieder zu dem Begriff gekommen, Weinviertler Kellerstöckel.

00:05:36: Bei oben der Stock war einfach der ruhe Platz der Weingartenarbeiter.

00:05:40: Und so ist es ja bei uns auch so gekommen.

00:05:42: Alte Presshäuser haben wir umgebaut und das Dachgeschoss oberhalb ist dann zu einem sehr gut ausgestatteten, sehr gemütlichen Kellerstöckel-Apartment geworden.

00:05:53: Drei Apartments haben die Hindlers heute für ihre Gäste.

00:05:55: Im Größten davon können vier Personen übernachten.

00:05:58: Sie sind elegant und gemütlich ausgestattet.

00:06:01: Die Kellerstöckel sind heute keine einfachen Schlafunterkünfte mehr, so wie man es früher kennt hat vom Weingarten Arbeiter.

00:06:09: Ich glaube, wir treffen sehr schön damit auch den Puls der Zeit und bieten da wirklich rund um viel Komfort, sehr gute echte Materialien, viel Naturholzmöbel und wirklich auch ein sehr angenehmes Wohnklima.

00:06:21: Die Stockwerke eben der alten Presshäuser sind alle in sehr nachhaltiger und ökologischer Holzbauweise ausgeführt.

00:06:29: Das Herzstück ist das Größte von den drei Apartments.

00:06:32: Das Kellerstöckel Öhlberg.

00:06:34: Rosi Hindler führt uns durch.

00:06:35: Das Klasse ist einfach die schöne, große Terrasse rundum wenn alles blüht, die Rebstöcke.

00:06:41: Das ist ein herrlicher Platz zum Frühstück.

00:06:42: beim Morgensonne und am Abend sitzt man gemütlich da im Schatten.

00:06:47: Das ist immer ganz klasse.

00:06:50: Also wir haben das ganze Jahr über offen und beliebt sogar bis Silvester.

00:06:55: Man geht gut essen, sucht sich ein gutes Gasthaus und verbringt da auch ein paar Tage.

00:07:02: Wer in den Kellerstöckler-Appartments übernachtet, kommt dem Wein jedenfalls nicht nur im Glas ganz nah.

00:07:06: Man kann wirklich ein bisschen hinter die Kulissen vom Familienwinzerbetrieb schauen.

00:07:10: Für uns ist es normal, dass man täglich im Weinkeller arbeitet oder durchgeht und auch Betrieb hat mit den Kellerführungen oder eben Verkostungen direkt, die in der Weinlounge im alten Presshaus auch hier stattfinden.

00:07:23: rundum, dem alten Pressbaum, die ehemals auch eine alte Weinpresse war.

00:07:28: ist es immer ein besonderes Gefühl.

00:07:30: Man spürt die Gäste, die sind sehr fasziniert, einmal richtig in einem alten Weinkeller zu stehen oder durch ein altes Kellergewölbe, das zweihundertfünfzig Jahre alt ist, zu durchstreifen und auch diese urig alte Kellerluft zu riechen.

00:07:45: Das ist wirklich oft sehr einzigartig und es freut uns sehr, wenn wir das unseren Gästen auch präsentieren dürfen.

00:07:51: Den Blick hinter die Kulissen will ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen.

00:07:55: Rosi Hindler führt uns herum.

00:07:56: zeigt uns die Weinlounge, die Vinothek und die Ahnengalerie.

00:08:00: Wir sind ein alter Familienbetrieb seit achtzehnhundertzehn.

00:08:03: Da haben wir eine alte Bildergalerie installiert.

00:08:07: Das sind viele Bilder von der Familie selbst.

00:08:10: Ganz kleine Bilder, wie man es halt vom Bilderalbum kennt, die haben wir reproduziert und dann Groß auf Stoff gedruckt und beleuchtet.

00:08:18: Und da sind die Großeltern drauf.

00:08:21: lange Tradition.

00:08:22: Man merkt halt, heute ist auch die Weinlese immer wieder noch der Höhepunkt des Weinjahres, kann man sagen.

00:08:27: Und auch mit Dankbarkeit bringt man da die Weinernte gut in den Keller, dass das Jahr, der Jahresverlauf halt gut und gesund vor allem für die ganze Familie abläuft.

00:08:39: Wieder auch mit Dankbarkeit verbunden.

00:08:42: Auch draußen ist die Vergangenheit noch spürbar.

00:08:44: Zum Beispiel unter der alten Weinlaube im Hof.

00:08:47: Das ist die alte Weinlaube.

00:08:48: Den alten Stock haben wir erhalten beim Restaurieren.

00:08:50: Das ist der alte Stock vom Opa, der ist so um die achtzig Jahre alt.

00:08:53: Und der ist auch bis zu seinem letzten Tag immer da in der Weinlaube gesessen.

00:08:58: Gläschen Wein genossen und den Lebensabend genossen.

00:09:01: Das ist heute auch immer wieder ein schönes Genussplatz für unsere Hausgäste, die im Weinviertler Kellerstöckel sind.

00:09:07: Glasl Wein nach dem Rad fahren, ein bisschen abkühlen im Kneippbecken.

00:09:11: Lustige Gespräche miteinander.

00:09:13: Urlaub im Weinviertel, richtig genießen.

00:09:16: Vom Urmeer ist ja heute leider nichts mehr übrig.

00:09:19: Aber, Frau Hindler hat es gesagt, ein bisschen Wellness und Spa gibt es hier schon.

00:09:24: Eine Infrarotsauna und ein Kneippbecken zum Beispiel.

00:09:28: Und es gibt wirklich viel Austausch zum Thema Wein.

00:09:31: Beim regelmäßigen Weinstammtisch, bei Verkostungen oder auch bei einem Event, das Rosi Hindler besonders am Herzen liegt.

00:09:38: Die Weinwanderung Hiatagang zur nahen Hiata-Hütte auf dem Kalvarienberg.

00:09:42: Der Hiatagang, den wir im Sommer immer machen mit einer Riedenwanderung, ist einer unserer größten Sommerfeste, kann man es so nennen.

00:09:50: Und das ist aber immer mit begrenzter Teilnehmeranzahl, ist aber wirklich auch ein einzigartiges Event, das man sicher gerne mal sich anschauen muss, wo wir die Tradition des Hirters eben pflegen und feiern und leben.

00:10:02: Ich sage immer, das ist so ein kleines Naturkino, wenn man wirklich so ganz gemütlich einmal im Weingarten herum sitzt, dann hüpfen wir ein paar Feldhasen herum oder man hört Vogel zwitschern, zwischendurch und sitzt gemütlich bei einem Sonnenuntergang, mitten im Weinviertel und bei einem guten Glaslein.

00:10:18: Das ist schon herrlich.

00:10:20: Frau Hindler es reicht, sonst bleibe ich da.

00:10:21: Ich bleib da, setz mich da 

00:10:25:

00:10:28: Nicht der Naturkino gibt es im Schrattenthal.

00:10:31: Man steht quasi mittendrin im Weltkulturerbe.

00:10:34: Gut, dann schauen wir runter in die Kellergasse.

00:10:37: Die Weinviertler-Kellerkultur ist zwanzigzweiundzwanzig von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt worden.

00:10:43: Mehr als tausend Kellergassen gibt es in Niederösterreich insgesamt.

00:10:47: Die meisten davon sind im Weinviertel.

00:10:49: Das Weingut und die Kellerstöckler-Apartments der Hindlers in Schrattenthal sind in einer davon.

00:10:54: Der Stadtgrabenkellergasse.

00:10:57: Für alle Nicht-Weinviertlerinnen, was ist eigentlich eine Kellergasse?

00:11:01: Und was ist das Besondere daran?

00:11:03: Dafür habe ich mit Johannes Rieder gesprochen.

00:11:05: Er ist Kellergassenführer und hat zwei Bücher über die Kellergassenkultur im Weinviertel geschrieben.

00:11:11: Wir sprechen davon von einem anonymen Architektur-Assemble, die sich in dieser sanfthügeligen Kulturlandschaft des Weinbaus sehr charakteristisch darstellt.

00:11:23: Die Kellergasse ist ein Ausdruck der Wirtschaftsgeschichte unseres Landes.

00:11:29: .... begonnen hat, also Mitte des siebzehntenjahrhunderts, wie die Weinbauern immer mehr selbstständig gewirtschaftet haben und unabhängig geworden sind.

00:11:42: Die Besonderheit ist die Einfachheit.

00:11:44: Das ist für uns die größte Raffinese.

00:11:46: Eine Kellertür, ein kleines Kellerfenster und das Geidloch.

00:11:51: Ein Raum, wo es uns um die Meische in den Keller in das Presshaus gekommen ist.

00:11:55: Mehr braucht es nicht.

00:11:57: Der einzige Schmuck war der Beschlager an der Kellertür.

00:12:00: Man sagt auch gern dazu, Dörfer ohne Rauchfang.

00:12:05: Bei der Kultur geht es vor allem um soziales, sagt Johannes Rieder.

00:12:08: Die Kellergassen haben nach wie vor eine ganz wichtige soziale Bedeutung.

00:12:13: Regelmäßig begegnen sich die Kellerbesitzer auf ihren Bankerl auf ein Glaserl Wein, um über das Leben nachzudenken.

00:12:20: Ob man es alleine überlegt, was in der Wirtschaft und im Leben und der Familie zu gestalten war.

00:12:26: Weinkeller sind Orte des Gesprächs und auch von ausgedehnten Kellerrunden.

00:12:31: Gäste werden eingeladen, wenn sie vorbeikommen.

00:12:33: Jeder ist willkommen ungleich seiner sozialen Stellung.

00:12:37: Und dieses Kellerrecht wird eigentlich seit Jahrhunderten so gelebt.

00:12:40: Heute sind die Kellergrassen sozusagen der USP des Weinviertels.

00:12:44: Aber sie haben ihre Funktion meistens verloren.

00:12:47: Den Wein stellen die Winzerinnen nicht mehr in den Kellern her, sondern in modernen Produktionsstätten.

00:12:52: Wegen der Hygiene und der besseren Qualität.

00:12:54: Die alten Keller und die Kellergassen sollen aber natürlich trotzdem erhalten bleiben.

00:12:59: Und bei der Weitergabe spielt der sogenannte Keller-Schlüssel eine große Rolle.

00:13:02: Besonderes Symbol ist der Keller-Schlüssel.

00:13:05: Es gibt die Regel, das Keller-Schlüssel für die Waben weitergegeben werden, also vererbt werden, bei Leben.

00:13:11: Und wenn der Vater den Jungen den Schlüssel gibt, dann ist es ein besonderes Recht, das ist ja ein Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist.

00:13:21: Das Erschließen des Kellers.

00:13:22: findet heute nicht nur mehr im familiären Kontext dar, aber jemanden, der Nachfolger ist, ist würdig, ist jetzt Werk, der die Geschichte weiterführt.

00:13:34: Genauso hat die Familie Hindler das mit den Kellerstöckler Apartments und der Weinlounge auch gemacht.

00:13:39: Ein Musterbeispiel quasi, zwischen Tradition und Trend.

00:13:44: Da bewegen die Hindler sich sowieso auch mit ihren Weinen.

00:13:46: Sie legen viel Wert aufs traditionelle Handwerk, auf Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit, aber sie scheuen die Trends nicht.

00:13:53: Trends sind immer gute Marker für neuen Genuss, also es öffnen sich halt auch neue Genusswege.

00:14:00: und zu gewissen Trends darf man einfach auch nicht nein sagen, weil man muss glaube ich gut miteinander abwägen, wollen wir das auch aufnehmen, man darf das nicht weggeschieben, sondern sicherlich auch damit er zeitlang beschäftigen und auch mit dabei zu sein, ja ist immer wichtig.

00:14:18: Mittlerweile werden im Weinbau ja auch moderne Techniken wie KI-Einsatz etc.

00:14:23: diskutiert.

00:14:24: Haben Sie sowas auch im Blick oder ist das für Sie ein Widerspruch zur handwerklichen Tradition?

00:14:29: KI-Einsatz in der Landwirtschaft ist sicher auch unterstützend, glaube ich, ist vielleicht der richtige Ausdruck dazu.

00:14:37: Aber komplett ersetzen mit KI, glaube ich, wird man den Wein nie, weil bis der Wein wirklich einmal in die Flasche kommt, sind das, glaube ich, fünfzehn Arbeitsschritte in der Natur draußen vom Weingarten, beginnend mit dem Rebschnitt im Winter.

00:14:49: Das kann keine KI machen, glaube ich, noch.

00:14:52: Wir machen das gerne und auch mit Liebe wirklich auch zu unserem Handwerk.

00:14:56: Und ja, wir sehen oft, ja, die Weingarten arbeit.

00:14:59: gar nicht als Arbeit, sondern es ist oft für uns selbst ein bissel auch ein wunderbares Naturschauspiel, draußen zu arbeiten im Weingarten zurückzuschauen.

00:15:07: Das habe ich heute gemacht.

00:15:09: oder beim Rebschnitt oder eben auch bei der Weinlese, wenn wir alles händisch ernten, ist es miteinander ein wunderbares Erlebnis und bis dann wirklich der Tropfenwein, der kostbare Schluckwein ins Glas kommt, ist es dann ein wunderbarer Augenblick, dass man den Weg bis zu den so gut und mit vielen Händen auch geschafft hat.

00:15:27: das stelle ich mir auch schön vor den ersten Weinen.

00:15:29: Es

00:15:30: ist auch immer wirklich einzigartig und auch wenn so die ersten Trauben im Keller kommen, ist das schon fein.

00:15:36: Aktuell geht der Trend übrigens zu leichten Wein oder wie Frau Hindler ihn nennt, den trinkfreudigen Wein.

00:15:42: Mit dem Begriff hat es mich definitiv abgeholt.

00:15:44: Wie der Wein wird, ist jedes Jahr spannend.

00:15:47: Hängt natürlich immer auch vom Wetter ab.

00:15:49: Nur eine berühmt berüchtigte Figur weiß es ja angeblich immer schon vorher, sagt man.

00:15:53: Es gibt ja die Legende der Kellerkatze.

00:15:56: Was oder wer ist das?

00:15:58: Und kann ich sie streicheln?

00:16:00: Ja, die kann man wirklich auch streicheln.

00:16:03: Sei es jetzt der Vor oder Nach der Weinverkostung, das darf sich der Gast aussuchen.

00:16:08: Die Kellerkatze ist eine alte Geschichte.

00:16:11: Früher hat man natürlich auch die Kellerkatzen im Keller gehabt.

00:16:14: Der Weinbauer hat es gebraucht, dass er die Mäuse fängt.

00:16:17: War natürlich nützlich.

00:16:19: Aber auch die Katzen haben sie natürlich auch auf die Weinfasseln gelegt.

00:16:25: Während der Gährung im Herbst war das Weinfass natürlich warm, weil drunter die Gährung stattgefunden hat.

00:16:31: Und die Katze hat sich da sehr wohl gefühlt.

00:16:34: Früher hat es auch nicht so tolle Messgeräte vielleicht noch gegeben, auch noch keine KI vielleicht sogar, sondern die Kellerkatze.

00:16:43: Vielleicht war das die KI damals.

00:16:45: Und die Katze ist dann gewandert zum nächsten Fass und somit hat der Weinbauer gewusst.

00:16:50: Ah, der Wein ist wahrscheinlich fertig.

00:16:51: Und irgendwann ist das letzte Fass geblieben, wo sich die Katze dann platziert hat.

00:16:55: Und der Legende nach ist es dann immer der beste Wein des Jahrgangs geworden, wo die Katze dann zum Schluss gesessen ist.

00:17:03: Und es gibt auch die Katze.

00:17:04: Es gibt auch schwarze Kellerkatze als Begriff für den schwarzen Schimmel, der in den alten Weinkillern wächst.

00:17:10: Wir haben auch so einen schwarzen Schimmel in den Kellern.

00:17:13: Und es ist ein Zeichen, dass ein gutes Raumklima herrst im Keller.

00:17:16: Gute Luftfreuchtigkeit.

00:17:18: Und da wächst der Schimmel ganz langsam und den kann man wirklich schön kuschelig berühren.

00:17:23: Und da sagt man auch, das ist die schwarze Kellerkatze.

00:17:28: gehört zum Weinviertel.

00:17:30: Das Beste hat Frau Hindler sich für den Schluss aufgehoben.

00:17:33: Nach der Führung und nach dem Gespräch gibt es noch ein Gasal Rosisecco.

00:17:40: Ganz was

00:17:40: redes Fisches.

00:17:42: Was macht den Rosisecco

00:17:43: aus?

00:17:44: Ja, das ist ganz was Leichtes Frisches.

00:17:47: und mein Mann hat gesagt, dieser Prosecco muss natürlich Rosi-Seko heißen, weil dann macht man vom Zweigelt Rosé und Rosé bringt eine wunderbare Leuchte in das frische Rosa.

00:17:59: Ich glaube, ich gehöre eigentlich ins Weinviertel.

00:18:01: Ich wollte jedenfalls fast nicht mehr weg von dort.

00:18:04: Man merkt, die Hindlers machen nicht nur gern ihren Wein, sie teilen ihr Wissen über Wein- und Weinkultur auch echt gern mit den Menschen, die kommen.

00:18:13: Alle Infos zu den Kellerstöckler Apartments gibt's natürlich in den Show Notes.

00:18:18: Und wir bleiben jetzt noch ein bisschen im Weinviertel.

00:18:20: Rosi Hindler hat mir nämlich noch ein paar Ausflugstipps in der Region verraten.

00:18:27: Selected Secrets.

00:18:28: Tipps aus der Region.

00:18:31: Retz ist ein sehr hübsches Städtchen im Weinviertel und vom Weingut Hindler nur einen Kellerkatzensprung entfernt.

00:18:37: Es gibt auch ein paar richtig gute Heurigen, viele Weingüter und einen historischen Hauptplatz, auf den jeden Samstag ein Slow-Food-Markt stattfindet.

00:18:46: Aber das wahrscheinlich spannendste an Retz ist genau das, was man nicht auf den ersten Blick sieht, weil es nämlich unter der Erde ist.

00:18:54: Große Teile der Altstadt sind untertunnelt und zwar mit alten Weinkellern, die einfach so in den Sandboden gegraben wurden.

00:19:01: Stichwort Urmeer.

00:19:04: Wenn man bei einer geführten Tour durch den Retzer-Erlebniskeller geht, kann man den feuchten Sand an den Wänden noch spüren.

00:19:11: Und trotzdem ist das alles seit Jahrhunderten stabil.

00:19:13: Zweiter Tipp auch ein bisschen historisch.

00:19:16: Zuerst eine ausgedehnte Wanderung durch den Nationalpark Thayatal und dann in der Mittelalterstadt Drosendorf an der Thaya einkehren.

00:19:23: Dort kann man sich barocke Fassaden und alte Bürgerhäuser am Hauptplatz anschauen oder die schöne alte Martinskirche und den alten Pranger.

00:19:31: Und wenn man dann in eins von den vielen alten Gasthäusern einkehrt, die teilweise auch schon seit einigen hundert Jahren existieren, fühlt man sich wirklich ein bisschen wie in einer anderen Zeit.

00:19:41: Links zu beiden Tipps findet ihr in unseren Show Notes.

00:19:46: Das war Urlaubsgeschichten zum Bleiben.

00:19:49: Heute mit Rosi Hindler und dem Weingut Hindler.

00:19:52: Ich bin Christl Clear und ich freue mich darauf, in der nächsten Folge wieder einen der Selected Stays in Niederösterreich als einen besonderen Ort und seine Gastgeberinnen kennenzulernen.

00:20:02: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert den Podcast.

00:20:05: Ich freue mich auch über Feedback oder eine Bewertung in eurer Podcast-App und teilt den Podcast mit allen Menschen, die auch mal wieder einen Tapetenwechseln und wenn es auch nur ein Wochenende ist, brauchen können.

00:20:16: Danke fürs dabei sein.

00:20:17: Bis zum nächsten

00:20:39: Mal.

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